Seewalze
STierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Holothuroidea (Klasse)
- Stamm: Stachelhäuter (Echinodermata)
- Klasse: Holothuroidea (de Blainville, 1834)
- Ordnungen (Auswahl): Dendrochirotida, Aspidochirotida, Apodida, Elasipodida, Molpadiida
- Familien (Auswahl): Holothuriidae, Stichopodidae, Cucumariidae, Synaptidae
- Lebensraum: Meeresboden aller Ozeane, von der Gezeitenzone bis in die Tiefsee (über 10.000 m Tiefe)
- Größe: 1 cm bis über 2 m (je nach Art)
- Gewicht: wenige Gramm bis mehrere Kilogramm
- Lebenserwartung: 5–10 Jahre, einige Arten vermutlich deutlich länger
- Anzahl bekannter Arten: ca. 1.700
Aussehen & Merkmale
Seewalzen – auch als Seegurken oder Holothurien bezeichnet – unterscheiden sich äußerlich stark von anderen Stachelhäutern wie Seeigeln oder Seesternen. Ihr Körper ist langgestreckt, walzenförmig und weichhäutig, was ihnen den deutschen Trivialnamen eingebracht hat. Die für Echinodermen typische fünfstrahlige Symmetrie ist bei Seewalzen stark abgewandelt: Sie liegt der Längsachse zugrunde, ist äußerlich aber kaum erkennbar. Der Körper zeigt stattdessen eine funktionelle Zweiseitigkeit mit einer Bauchseite (Trivium), auf der sich meist Ambulakralfüßchen befinden, und einer Rückseite (Bivium).
Das Kalkskelett, bei Seeigeln als massiver Panzer ausgebildet, ist bei Seewalzen auf mikroskopisch kleine Kalkkörperchen (Sklerite) in der Haut reduziert. Form und Anordnung dieser Sklerite dienen der taxonomischen Bestimmung einzelner Arten. Die Körperoberfläche kann glatt, warzig oder mit Papillen besetzt sein. Am Vorderende umgibt ein Kranz aus Tentakeln die Mundöffnung. Diese Tentakel sind modifizierte Ambulakralfüßchen und je nach Ordnung baumförmig verzweigt (Dendrochirotida), schildförmig (Aspidochirotida) oder gefiedert (Apodida).
Die Färbung variiert erheblich: Viele Arten sind unauffällig braun oder schwarz, andere zeigen kräftige Gelb-, Rot- oder Violetttöne. Tropische Vertreter wie die Ananas-Seewalze (Thelenota ananas) tragen auffällige Oberflächenstrukturen, die an Stacheln erinnern.
Lebensraum & Verbreitung
Seewalzen besiedeln sämtliche Meere der Erde. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von tropischen Korallenriffen über gemäßigte Küstengewässer bis in die arktischen und antarktischen Schelfgebiete. Besonders artenreich sind die Flachmeere des Indo-Pazifik. In der Tiefsee stellen Holothurien einen erheblichen Anteil der bodenlebenden Biomasse – in Tiefen unterhalb von 4.000 Metern können sie bis zu 90 Prozent der Makrofauna ausmachen.
Das bevorzugte Habitat ist der weiche Meeresboden: Sand-, Schlick- und Schlammflächen dienen den meisten Arten als Lebensraum. Einige Gattungen besiedeln jedoch auch Hartsubstrate wie Felsriffe und Korallenblöcke. Wenige Vertreter der Ordnung Elasipodida leben nicht sessil am Grund, sondern können kurzzeitig durch Wasseraufnahme aufschwimmen und sich so über den Meeresboden verdriften lassen.
Ernährung
Die Mehrzahl der Seewalzen ernährt sich als Sedimentfresser (Depositfresser). Sie nehmen mit ihren Tentakeln Bodenmaterial auf, verdauen die darin enthaltenen organischen Partikel – Detritus, Bakterien, Mikroalgen und zerfallene Tier- und Pflanzenreste – und scheiden den mineralischen Anteil wieder aus. Dieser Vorgang ähnelt funktionell dem eines Regenwurms an Land. Eine einzelne Seewalze kann pro Jahr mehrere Dutzend Kilogramm Sediment umwälzen.
Arten der Ordnung Dendrochirotida hingegen sind Suspensionsfresser: Sie strecken ihre baumförmig verzweigten Tentakel ins freie Wasser und filtern Plankton sowie feine organische Partikel heraus. Die Nahrungsaufnahme erfolgt bei vielen Arten vorwiegend nachts, sodass die Tiere als überwiegend nachtaktiv gelten.
Verhalten & Lebensweise
Seewalzen sind einzelgängerisch lebende Tiere ohne Revierverhalten oder soziale Strukturen. Sie bewegen sich langsam über den Meeresboden, angetrieben durch die Ambulakralfüßchen an der Bauchseite und durch peristaltische Kontraktionen der Körperwandmuskulatur. Arten ohne Füßchen (Apodida) kriechen ausschließlich durch wurmartige Körperbewegungen.
Ein zentrales Organ der Lebensweise ist der sogenannte Wasserlungenbaum (auch Kiemenbaum genannt) – ein paariges, baumförmig verzweigtes Organsystem im Körperinneren, das durch rhythmisches Pumpen von Meerwasser über die Kloake der Atmung dient. Dieses Organ ist unter Wirbellosen einzigartig.
Zur Feindabwehr verfügen einige Arten über die Fähigkeit zur Eviszeration: Bei Bedrohung stoßen sie Teile ihres Darms und der Wasserlunge durch die Kloake aus. Die klebrigen, teils giftigen Cuvierschen Schläuche bestimmter Gattungen (z. B. Holothuria) können einen Angreifer verkleben und immobilisieren. Die verlorenen Organe regenerieren innerhalb weniger Wochen vollständig – ein Ausdruck des hohen Regenerationsvermögens, das für Stachelhäuter typisch ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die meisten Seewalzen sind getrenntgeschlechtlich, wobei äußerlich kein Geschlechtsunterschied erkennbar ist. Die Fortpflanzung erfolgt überwiegend durch Abgabe von Ei- und Samenzellen ins freie Wasser (Broadcast Spawning). Der Zeit