Speispinne
STierart – Spinnentiere > Webspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Scytodes thoracica (Latreille, 1802)
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Familie: Speispinnen (Scytodidae)
- Gattung: Scytodes
- Lebensraum: Gebäude, Höhlen, warme Habitate in gemäßigten bis tropischen Zonen
- Körperlänge: 3–6 mm
- Gewicht: unter 0,1 g
- Lebenserwartung: ca. 2–3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Speispinne ist eine zierliche, langbeinige Spinne mit einem auffällig hochgewölbten, fast kugelförmigen Prosoma (Vorderkörper). Dieses markante Profil unterscheidet sie auf den ersten Blick von den meisten anderen heimischen Webspinnen. Die Grundfärbung variiert von blassgelb bis hellbraun, wobei sowohl Prosoma als auch Opisthosoma (Hinterleib) ein charakteristisches dunkles Fleckenmuster tragen, das aus unregelmäßig verteilten schwarzen oder dunkelbraunen Zeichnungen besteht.
Die acht Beine sind lang und dünn, ebenfalls hell mit dunklen Ringelmuster versehen. Die Speispinne besitzt sechs Augen, die in drei Paaren angeordnet sind – ein Merkmal, das sie von den meisten anderen Webspinnen unterscheidet, die typischerweise acht Augen aufweisen. Der gesamte Körperbau wirkt fragil, was das Tier leicht übersehen lässt. Die Chelizeren (Kieferklauen) sind relativ klein; das Giftvolumen ist für den Menschen unbedeutend. Das stark gewölbte Prosoma beherbergt neben den regulären Giftdrüsen eine zusätzliche, stark vergrößerte Drüse, die eine klebrige Substanz produziert – die zentrale anatomische Voraussetzung für die namensgebende Jagdtechnik.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Scytodes thoracica erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis und umfasst Europa, Nordafrika, Teile Vorderasiens sowie – durch Verschleppung – auch Nordamerika und andere Regionen. In Mitteleuropa kommt die Art fast ausschließlich synanthrop vor, das heißt, sie ist an menschliche Siedlungen gebunden. Ihr bevorzugtes Biotop sind warme, trockene Innenräume: Wohnhäuser, Keller, Dachböden und Lagerhallen. In südlicheren Gefilden besiedelt sie auch natürliche Habitate wie Felsspalten, Höhlen und die Unterseite von Steinen.
Die Art ist wärmeliebend und meidet kühle, feuchte Standorte. In Mitteleuropa ist sie daher vor allem in beheizten Gebäuden anzutreffen, während Freilandfunde nördlich der Alpen äußerst selten sind. Im Mittelmeerraum hingegen lebt sie häufig auch außerhalb von Gebäuden in geeigneten Mikrohabitaten.
Ernährung
Scytodes thoracica ernährt sich von kleinen Arthropoden, darunter Fliegen, Mücken, Staubläuse und andere Spinnen. Anders als viele andere Webspinnen baut die Speispinne kein Fangnetz. Stattdessen überwältigt sie ihre Beute durch eine einzigartige Methode: Sie nähert sich dem Beutetier langsam bis auf wenige Millimeter Abstand und schleudert dann mit einer schnellen Bewegung der Chelizeren zwei zickzackförmige Fäden einer klebrigen, leimartigen Substanz auf das Opfer. Dieser Vorgang dauert nur rund 1/700 Sekunde. Die Substanz besteht aus einem Gemisch von Gift und Klebseide, das in den vergrößerten Drüsen des Prosomas produziert wird. Die Beute wird durch die Klebestränge am Untergrund fixiert und gleichzeitig durch das beigemischte Gift gelähmt. Anschließend nähert sich die Spinne und versetzt einen Giftbiss, bevor sie die Beute aussaugt.
Verhalten & Lebensweise
Die Speispinne ist strikt nachtaktiv. Tagsüber verharrt sie regungslos in dunklen Ecken, an Wänden oder hinter Möbeln. Erst nach Einbruch der Dunkelheit beginnt sie, langsam und tastend durch ihr Revier zu streifen. Ihre Fortbewegung ist ausgesprochen bedächtig – sie gehört zu den langsamsten heimischen Spinnen. Ein festes Fangnetz wird nicht angelegt; allerdings spinnt das Tier unregelmäßige, lockere Fäden in seinem Aufenthaltsbereich, die möglicherweise als Signalfäden dienen.
Die Art lebt einzelgängerisch. Begegnungen zwischen Artgenossen außerhalb der Paarungszeit verlaufen in der Regel ohne aggressive Auseinandersetzungen, wobei die Tiere einander eher ausweichen. Die Speispinne ist ausgesprochen ortstreu und bewegt sich oft über Wochen oder Monate nur in einem kleinen Bereich von wenigen Quadratmetern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in Mitteleuropa vorwiegend im Sommer statt. Das Männchen nähert sich dem Weibchen vorsichtig und leitet die Balz durch rhythmisches Zupfen an den Spinnfäden im Umfeld des Weibchens ein. Nach erfolgreicher Kopulation legt das Weibchen einen Eikokon, der zwischen 20 und 40 Eier enthält. Der Kokon wird nicht wie bei vielen anderen Spinnenarten in einem Versteck befestigt, sondern vom Weibchen in den Chelizeren getragen. Während dieser Brutpflegephase, die mehrere Wochen dauern kann, nimmt das Weibchen keine Nahrung zu sich.
Nach dem Schlüpfen verbleiben die Jungspinnen zunächst in unmittelbarer Nähe der Mutter, ehe sie sich nach der ersten Häutung zerstreuen. Die Jugendentwicklung umfasst mehrere Häutungsstadien und erstreckt sich über einige Monate, wobei die Geschlechtsreife je nach Temperatur und Nahrungsangebot nach etwa einem Jahr erreicht wird.
Bedrohung & Schutzstatus
Scytodes thoracica wird von der IUCN derzeit nicht in einer Gefährdungskategorie geführt. Die Art gilt weltweit als ungefährdet. Durch ihre enge Bindung an menschliche Siedlungen profitiert sie sogar