Springspinne
STierart – Spinnentiere > Webspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Salticidae (Familie)
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Überordnung: Spinnentiere (Arachnida)
- Familie: Springspinnen (Salticidae)
- Anzahl der Gattungen: über 660
- Anzahl der Arten: über 6.300 beschrieben
- Lebensraum: nahezu alle terrestrischen Lebensräume weltweit, von tropischen Regenwäldern bis zu gemäßigten Wiesen und menschlichen Siedlungen
- Größe: 1–25 mm Körperlänge, je nach Art
- Gewicht: wenige Milligramm bis ca. 0,3 g
- Lebenserwartung: 1–3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Springspinnen gehören zu den am leichtesten erkennbaren Spinnenfamilien. Ihr Körperbau ist gedrungen und kompakt, mit einem deutlich abgesetzten Prosoma (Vorderleib) und Opisthosoma (Hinterleib). Das auffälligste Merkmal ist die Anordnung der acht Augen: Zwei große, nach vorn gerichtete Hauptaugen (Anteriomedianaugen) dominieren das Gesicht und verleihen den Tieren ein charakteristisches, fast eulenartiges Aussehen. Diese Hauptaugen besitzen eine röhrenförmige Struktur mit einer beweglichen Netzhaut und ermöglichen ein scharfes, vermutlich farbiges Sehen. Drei weitere Augenpaare sind an den Seiten und am Hinterkopf des Prosoma angeordnet und dienen vor allem der Bewegungserkennung im Nahbereich.
Die Körperoberfläche vieler Arten ist dicht mit Haaren und Schuppen bedeckt, die je nach Gattung metallisch glänzen oder leuchtende Farbmuster erzeugen können. Besonders die tropischen Vertreter, etwa aus der Gattung Maratus (Pfauenspinnen), zeigen eine ausgeprägte Farbenpracht. Mitteleuropäische Arten wie die Zebraspringspinne (Salticus scenicus) tragen dagegen ein eher unauffälliges schwarz-weißes Streifenmuster. Die Cheliceren (Kieferklauen) sind kräftig gebaut und dienen dem Beuteerwerb. Wie alle Spinnentiere besitzen Springspinnen vier Beinpaare, wobei das vordere Paar bei vielen Arten vergrößert ist.
Lebensraum & Verbreitung
Die Salticidae sind die artenreichste Familie der Webspinnen und besiedeln ein außerordentlich breites Spektrum an Habitaten. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen und Subtropen, wo die höchste Artendiversität erreicht wird. Doch auch in gemäßigten Breiten sind zahlreiche Gattungen vertreten.
In Mitteleuropa kommen rund 80 Arten vor. Typische Biotope umfassen sonnige Mauern, Felsen, Wiesen, Waldränder, Baumrinden und Gebäudefassaden. Manche Arten wie die Zebraspringspinne (Salticus scenicus) sind ausgesprochene Kulturfolger und finden sich häufig an Hauswänden und Fensterbänken. Andere Arten besiedeln bevorzugt die Streuschicht von Wäldern oder die Vegetation von Heiden und Trockenrasen. Die Gattung Euophrys wurde sogar in Höhenlagen über 5.000 Metern am Mount Everest nachgewiesen, was Springspinnen zu den am höchsten lebenden dauerhaften Landbewohnern macht.
Ernährung
Springspinnen sind ausnahmslos räuberische Jäger, die keine Fangnetze bauen. Sie jagen aktiv und visuell, wobei sie sich ihrer hervorragenden Sehfähigkeit bedienen. Die Beute besteht überwiegend aus kleinen Insekten wie Fliegen, Mücken, Blattläusen und kleinen Käfern, aber auch aus anderen Spinnen. Einige tropische Arten der Gattung Portia haben sich sogar auf die Jagd auf andere Spinnen spezialisiert und dringen dazu in fremde Netze ein – ein Verhalten, das als Araneophagie bezeichnet wird.
Die Jagdstrategie ähnelt der einer Katze: Die Springspinne nähert sich langsam und geduckt ihrer Beute, fixiert sie mit den Hauptaugen und springt dann aus einer Entfernung von bis zu dem 50-fachen ihrer Körperlänge gezielt zu. Vor jedem Sprung befestigt sie einen Sicherungsfaden aus Spinnseide am Untergrund, der bei einem Fehlsprung als Rettungsleine dient. Der Sprung wird nicht durch Muskelkraft allein erzeugt, sondern durch eine hydraulische Streckung der Hinterbeine, bei der Hämolymphe (die Körperflüssigkeit der Spinnentiere) in die Beine gepresst wird.
Verhalten & Lebensweise
Im Gegensatz zu vielen anderen Spinnen sind Springspinnen überwiegend tagaktiv. Ihre Lebensweise ist eng an gute Lichtverhältnisse geknüpft, da die visuelle Jagd hohe Anforderungen an das Sehvermögen stellt. Nachts und bei schlechtem Wetter ziehen sich die Tiere in selbst gesponnene Ruhegespinste zurück, die sie in Ritzen, unter Rinde oder zwischen Blättern anlegen.
Springspinnen sind Einzelgänger ohne festes Revier. Sie streifen auf der Suche nach Beute durch ihr Habitat und zeigen dabei ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten. Begegnungen zwischen Artgenossen werden über visuelle Signale geregelt: Männchen heben bei Rivalenkontakt die Vorderbeine und präsentieren ihre oft auffällig gefärbten Cheliceren oder Beine. Diese Drohgebärden reichen in der Regel aus, um Kämpfe zu vermeiden.
Studien haben gezeigt, dass Springspinnen – insbesondere Arten der Gattung Portia – zu erstaunlichen kognitiven Leistungen fähig sind. Sie planen Umwege, um Beute zu erreichen, und passen ihre Jagdstrategien flexibel an verschiedene Beutetypen an. Dieses Verhalten deutet auf eine räumliche Vorstellungskraft hin, die bei Tieren mit einem derart kleinen Nervensystem ungewöhnlich ist.
Fortpflanzung & Aufzucht