Süßwasserpolyp
STierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hydra (Gattung); häufigste Art: Hydra vulgaris
- Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
- Klasse: Hydrozoen (Hydrozoa)
- Ordnung: Anthoathecata
- Familie: Hydridae
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer weltweit
- Größe: 1–30 mm (je nach Art und Ernährungszustand)
- Gewicht: Unter 1 mg (nicht sinnvoll quantifizierbar)
- Lebenserwartung: Theoretisch unbegrenzt (biologische Unsterblichkeit); in der Natur durch Fressfeinde, Parasiten und Umwelteinflüsse begrenzt
Aussehen & Merkmale
Der Süßwasserpolyp besitzt einen einfachen, schlauchförmigen Körperbau, der dem Grundbauplan der Nesseltiere (Cnidaria) entspricht. Der zylindrische Körper – der sogenannte Rumpf oder Gastralraum – besteht aus nur zwei Zellschichten: der äußeren Epidermis und der inneren Gastrodermis, getrennt durch eine dünne, gallertartige Stützschicht, die Mesogloea. Am oberen Ende sitzt eine Mundöffnung, die von einem Kranz aus sechs bis zehn flexiblen Tentakeln umgeben ist. Diese Tentakel sind dicht mit Nesselzellen (Cnidozyten) besetzt, die jeweils eine Nesselkapsel (Nematocyste) enthalten – das charakteristische Merkmal aller Nesseltiere.
Am unteren Ende befindet sich die Fußscheibe (Basalscheibe), mit der sich das Tier an Substraten wie Steinen, Wasserpflanzen oder Totholz festheftet. Die Körperfarbe variiert je nach Art: Hydra viridissima (Grüne Hydra) erscheint durch symbiotische Grünalgen (Chlorella) in ihrem Gewebe leuchtend grün, während Hydra vulgaris und Hydra oligactis (Braune Hydra) bräunlich bis durchscheinend gefärbt sind. Im kontrahierten Zustand schrumpft der Polyp auf wenige Millimeter zusammen; bei Streckung kann er über zwei Zentimeter erreichen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Hydra erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Süßwasserpolypen besiedeln bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer – typische Habitate sind Teiche, Weiher, Seen, Gräben, Altarme und verkrautete Bachabschnitte. Sie kommen sowohl in nährstoffarmen (oligotrophen) als auch in nährstoffreichen (eutrophen) Biotopen vor, meiden jedoch stark verschmutzte oder sauerstoffarme Gewässer.
Die Tiere siedeln sich bevorzugt in der Uferzone (Litoral) an, wo sie auf der Unterseite von Schwimmblattpflanzen wie Seerosen, an Stängeln von Wasserpflanzen oder an der Unterseite von Steinen zu finden sind. Da sie Licht als Orientierungshilfe nutzen – viele Arten zeigen eine positive Phototaxis –, halten sie sich häufig in gut belichteten Flachwasserbereichen auf. In Europa sind mindestens vier Arten verbreitet: Hydra vulgaris, Hydra oligactis, Hydra viridissima und Hydra circumcincta.
Ernährung
Süßwasserpolypen sind Räuber, die sich von kleinen wirbellosen Tieren ernähren. Zum Beutespektrum gehören vor allem Wasserflöhe (Daphnia), Hüpferlinge (Copepoda), kleine Insektenlarven und Borstenwürmer (Oligochaeta). Die Jagd erfolgt passiv: Der Polyp streckt seine Tentakel ins umgebende Wasser und wartet, bis ein Beutetier die Nesselzellen durch Berührung auslöst. Die Nematocysten schleudern dann in Bruchteilen einer Millisekunde einen mit Gift gefüllten Faden aus, der die Beute lähmt oder tötet. Die Tentakel führen das gelähmte Tier anschließend zur Mundöffnung, über die es in den Gastralraum gelangt.
Die Verdauung erfolgt zunächst extrazellulär durch Enzyme im Gastralraum und anschließend intrazellulär in den Nährzellen der Gastrodermis. Unverdauliche Reste werden über dieselbe Mundöffnung wieder ausgestoßen, da kein separater After vorhanden ist. Bei Hydra viridissima liefern die endosymbiotischen Chlorella-Algen zusätzlich Photosynthese-Produkte, was dieser Art einen Ernährungsvorteil bei Beutemangel verschafft.
Verhalten & Lebensweise
Süßwasserpolypen sind sessile Tiere, die den Großteil ihres Lebens an einem Substrat angeheftet verbringen. Dennoch sind sie nicht vollständig ortsgebunden. Sie können sich durch eine spannerraupenartige Fortbewegung über kurze Strecken verlagern: Das Tier beugt sich, heftet die Tentakelspitzen am Untergrund fest, löst die Fußscheibe und schwingt den Körper nach vorn. Alternativ nutzen manche Arten Gasblasen, die an der Fußscheibe gebildet werden, um an der Wasseroberfläche zu treiben und so neue Siedlungsplätze zu erreichen.
Eine ausgeprägte Tag-Nacht-Rhythmik ist nicht bekannt; die Tiere reagieren jedoch auf Lichtreize und mechanische Erschütterungen mit Kontraktionen des Körpers. Süßwasserpolypen leben solitär und bilden weder Kolonien noch Reviere. Bei hoher Populationsdichte in günstigen Habitaten können allerdings viele Individuen dicht beieinandersitzen, ohne dass dies auf soziale Strukturen hinweist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung erfolgt überwiegend ungeschlechtlich durch Knospung. Dabei bildet sich seitlich am Rumpf eine Ausstülpung, die innerhalb weniger Tage zu einem vollständigen Miniaturpolypen mit eigenen Tentakeln heranwächst. Nach Abschluss der Entwicklung löst sich die Knospe vom