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Trichterspinne

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Tierart – Spinnentiere > Webspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Familie Atracidae (Australische Trichterspinnen) / Familie Agelenidae (Trichternetzspinnen)
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familien: Atracidae (3 Gattungen, ca. 35 Arten), Agelenidae (über 80 Gattungen, ca. 1.300 Arten)
  • Bekannteste Art: Sydney-Trichterspinne (Atrax robustus)
  • Lebensraum: Feuchte Wälder, Gärten, Geröllhalden, Erdlöcher (Atracidae); Gebüsche, Hecken, Gebäude, Wiesen (Agelenidae)
  • Größe: Körperlänge 1–5 cm je nach Art; Beinspannweite bis 8 cm bei Atrax robustus
  • Gewicht: Bis ca. 2 g (große Arten der Atracidae)
  • Lebenserwartung: Weibchen bis 20 Jahre (Atracidae); Agelenidae meist 1–3 Jahre

Aussehen & Merkmale

Unter dem Trivialnamen „Trichterspinne" werden zwei taxonomisch nicht näher verwandte Spinnenfamilien zusammengefasst, die sich in Körperbau und Lebensweise deutlich unterscheiden. Die Gemeinsamkeit liegt in der trichterförmigen Struktur ihrer Netze oder Wohngespinste, die beiden Gruppen ihren Namen verleiht.

Die Australischen Trichterspinnen (Atracidae) sind kräftig gebaute, mittelgroße Spinnen mit einem glänzend schwarzen bis dunkelbraunen Carapax (Rückenschild des Vorderkörpers). Ihr Opisthosoma (Hinterleib) ist samtig behaart und dunkel gefärbt. Auffällig sind die massiven, nach unten gerichteten Chelizeren (Kieferklauen), die für Vogelspinnenartige (Mygalomorphae) typisch sind und mit denen sie kräftig zubeißen können. Die Spinnen besitzen vier Spinnwarzen, von denen die hinteren deutlich verlängert sind. Ihre acht Augen sind klein und eng beieinander angeordnet.

Die Trichternetzspinnen (Agelenidae) gehören dagegen zu den Echten Webspinnen (Araneomorphae) und sind meist schlanker gebaut. Typische Vertreter wie die Hausspinnen der Gattung Tegenaria oder Eratigena zeigen eine bräunliche Grundfärbung mit dunkleren Winkelzeichnungen auf dem Opisthosoma. Auch bei ihnen sind die hinteren Spinnwarzen verlängert, was ein Erkennungsmerkmal der Familie darstellt. Die Beine sind lang und mit feinen Haaren besetzt, die als Sinnesorgane dienen.

Lebensraum & Verbreitung

Die Atracidae sind auf Australien beschränkt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang der Ostküste von Queensland über New South Wales bis nach South Australia und Tasmanien. Die Sydney-Trichterspinne (Atrax robustus) bewohnt ein Areal im Umkreis von rund 160 Kilometern um Sydney. Ihr bevorzugtes Habitat sind feuchte Wälder und schattige Gärten, wo sie unter Steinen, Baumstämmen oder in selbstgegrabenen Erdröhren lebt.

Die Agelenidae sind weltweit verbreitet und kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. In Mitteleuropa gehören sie zu den häufigsten Spinnen in und an Gebäuden. Ihre Biotope reichen von Wiesen und Hecken über Waldränder bis in Keller und Dachböden. Mehrere Arten der Gattung Eratigena sind in Deutschland heimisch und als „Hausspinnen" bekannt.

Ernährung

Beide Familien ernähren sich ausschließlich räuberisch von Gliedertieren. Die Atracidae lauern am Eingang ihrer trichterförmigen Erdröhre auf Beutetiere, die über ausgelegte Signalfäden laufen. Zur Beute zählen Käfer, Schaben, Tausendfüßer, andere Spinnen und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Frösche oder Eidechsen. Die Chelizeren durchdringen mühelos weiches Exoskelett und sogar Fingernägel.

Agelenidae bauen dichte Deckennetze mit einem röhrenförmigen Rückzugstrichter, in dem die Spinne auf Vibrationen wartet. Gerät ein Insekt auf die nicht-klebrige Netzfläche, stürzt die Spinne hervor, überwältigt die Beute mit einem Giftbiss und zieht sie in den Trichter zurück. Dort wird die Beute außerhalb des Körpers vorverdaut und anschließend ausgesaugt – eine bei Spinnen typische extraintestinale Verdauung.

Verhalten & Lebensweise

Australische Trichterspinnen sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in ihren Wohnröhren. Die Männchen verlassen nach Erreichen der Geschlechtsreife ihr Versteck und wandern auf der Suche nach Weibchen umher, was besonders in feuchtwarmen Sommernächten nach Regenfällen geschieht. Dabei dringen sie nicht selten in Wohnhäuser, Garagen und Schwimmbecken ein, was das Risiko von Begegnungen mit Menschen erhöht.

Agelenidae sind weniger wanderfreudig und halten sich überwiegend im Bereich ihres Netzes auf. Ihr Revier wird verteidigt – bei Begegnungen mit Artgenossen außerhalb der Paarungszeit kommt es zu aggressiven Interaktionen, die mit Flucht oder dem Tod des Unterlegenen enden können. Beide Familien leben solitär; gesellige oder gar koloniale Lebensweisen sind nicht bekannt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Bei den Atracidae beginnt die Paarungszeit im australischen Sommer (November bis März). Das Männchen nähert sich vorsichtig dem Bau des Weibchens und klopft mit den Vorderbeinen auf das Gespinst, um sein Kommen zu signalisieren – eine rudimentäre Form der Balz. Nach der Kopulation stirbt das Männchen häufig innerhalb weniger Monate. Das Weibchen legt einen Eikokon mit bis zu 100 Eiern ab, den es im Inneren der Wohnröhre bewacht. Die Jungspinnen häuten sich mehrfach, bevor sie den mütterlichen Bau verlassen und eigene Röhren anlegen.