Vierfleck
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Libellula quadrimaculata
- Ordnung: Libellen (Odonata)
- Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
- Familie: Segellibellen (Libellulidae)
- Gattung: Libellula
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Moore, Teiche, Weiher
- Körperlänge: 40–48 mm
- Flügelspannweite: 70–85 mm
- Gewicht: ca. 0,5–1 g
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre (davon bis zu einem Jahr als Larve); Imagines leben wenige Wochen bis Monate
Aussehen & Merkmale
Der Vierfleck gehört zu den mittelgroßen Großlibellen Mitteleuropas. Seinen Namen verdankt er einem auffälligen Merkmal: Jeder der vier Flügel trägt an der Vorderkante einen dunklen Fleck am sogenannten Nodus – der Querader etwa auf halber Flügellänge. Zusammen mit den ohnehin vorhandenen Pterostigmata (den Flügelmalen an den Flügelspitzen) ergibt sich so ein charakteristisches Muster, das die Art im Flug und im Sitzen gut kenntlich macht.
Der Hinterleib (Abdomen) ist relativ breit und gedrungen gebaut, an der Basis deutlich verbreitert und zur Spitze hin verjüngt. Die Grundfärbung des Körpers ist olivbraun bis gelbbraun, wobei die Seiten des Abdomens gelbliche Flecken aufweisen. Die Brust (Thorax) erscheint dicht bräunlich behaart. Die Flügel selbst sind im basalen Bereich gelblich getönt, was besonders bei Gegenlicht gut sichtbar wird. Die Augen sind bei ausgefärbten Tieren dunkelbraun bis grünbraun.
Männchen und Weibchen lassen sich äußerlich nur schwer unterscheiden. Anders als bei vielen anderen Libellenarten fehlt beim Vierfleck ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus in der Färbung. Die Bestimmung im Feld erfolgt daher meist über die sekundären Geschlechtsorgane am Hinterleib, die jedoch aus der Entfernung kaum zu erkennen sind. Gelegentlich tritt eine dunklere Farbvariante auf, die als Form praenubila beschrieben wird und stärker verdunkelte Flügelspitzen besitzt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Vierflecks erstreckt sich über weite Teile der Holarktis. Die Art kommt in ganz Europa, durch Nordasien bis nach Japan sowie in Nordamerika vor. In Mitteleuropa zählt sie zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Großlibellen. Vom Tiefland bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern besiedelt sie ein breites Spektrum an Habitaten.
Bevorzugte Biotope sind stehende und langsam fließende Gewässer mit reicher Ufervegetation. Besonders häufig findet sich die Art an Moorgewässern, Gartenteichen, Weihern, Altwässern und flachen Seen. Entscheidend für die Besiedelung ist das Vorhandensein von Flachwasserzonen mit Unterwasser- und Schwimmblattvegetation, da die Larven auf solche Strukturen angewiesen sind. Auch saure Gewässer in Hochmooren werden besiedelt, was den Vierfleck von vielen anderen Libellenarten unterscheidet, die solche Habitate meiden.
In manchen Jahren kommt es zu Massenwanderungen, bei denen Tausende bis Millionen von Individuen in großen Schwärmen über weite Strecken ziehen. Diese Wanderflüge sind seit Jahrhunderten dokumentiert und trugen dazu bei, dass der Vierfleck 2012 in Deutschland zur Libelle des Jahres gewählt wurde.
Ernährung
Wie alle Großlibellen ist der Vierfleck ein reiner Räuber – sowohl als Larve im Wasser als auch als ausgewachsenes Insekt in der Luft. Die Imagines erbeuten kleine Fluginsekten wie Mücken, Fliegen, Eintagsfliegen und Blattläuse. Sie jagen vom Ansitz aus: Typischerweise sitzt der Vierfleck auf einer exponierten Warte – einem Schilfhalm, Ast oder Stein – und startet bei Sichtung einer Beute zu kurzen, schnellen Jagdflügen. Die Beute wird mit den Beinen gegriffen und im Flug oder nach der Rückkehr zum Ansitzplatz verzehrt.
Die Larven leben räuberisch am Gewässergrund und in der Unterwasservegetation. Sie ernähren sich von Kleinkrebsen, Mückenlarven, Wasserflöhen, kleinen Würmern und anderen aquatischen Wirbellosen. Größere Larven können auch Kaulquappen und kleine Fischbrut erbeuten. Die Beuteerfassung erfolgt über die sogenannte Fangmaske – eine umgewandelte Unterlippe, die blitzschnell nach vorn geschleudert wird.
Verhalten & Lebensweise
Der Vierfleck ist tagaktiv und bei warmem, sonnigem Wetter besonders flugfreudig. Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis August, mit einem Schwerpunkt im Juni. Männchen sind ausgeprägt territorial und besetzen Reviere an geeigneten Gewässerabschnitten. Von erhöhten Sitzwarten aus werden sowohl Rivalen als auch potenzielle Beute beobachtet. Eindringende Artgenossen werden in schnellen Verfolgungsflügen vertrieben, wobei es selten zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt.
Abseits der Fortpflanzungsgewässer kann der Vierfleck auch über Wiesen, Waldlichtungen und an Waldrändern angetroffen werden, wo noch nicht geschlechtsreife Tiere ihre Reifezeit verbringen. Die Flugweise ist typisch für Segellibellen: rasche, wendige Flugmanöver wechseln mit kurzen Gleitphasen und häufigem Rütteln auf der Stelle.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung erfolgt im Flug oder im Sitzen. Das Männchen ergreift das Weibchen mit den Hinterleibsanhängen am Kopf, woraufhin das sogenannte Paarungsrad gebildet wird. Nach der Kopulation legt das Weibchen die Eier allein ab, indem es im Flug