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Wachsrose

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Tierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Anemonia viridis (Forsskål, 1775)
  • Synonyme: Anemonia sulcata (ältere Bezeichnung)
  • Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
  • Klasse: Blumentiere (Anthozoa)
  • Ordnung: Seeanemonen (Actiniaria)
  • Familie: Actiniidae
  • Gattung: Anemonia
  • Lebensraum: Felsküsten, Gezeitenzonen, Seegraswiesen im Mittelmeer und Nordostatlantik
  • Größe: Fußscheibe bis 7 cm Durchmesser, Tentakel bis 15–20 cm Länge
  • Gewicht: Wenige Gramm (kein exakter Standardwert, da stark wasserhaltig)
  • Lebenserwartung: Mehrere Jahrzehnte, unter günstigen Bedingungen vermutlich über 50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Wachsrose gehört zu den auffälligsten Seeanemonen europäischer Küstengewässer. Ihr Körperbau folgt dem typischen Bauplan der Anthozoen: Eine muskulöse Fußscheibe verankert das Tier am Untergrund, darüber erhebt sich die zylindrische Körpersäule, die an ihrem oberen Ende die Mundscheibe mit der zentralen Mundöffnung trägt. Um die Mundscheibe herum stehen bis zu 200 lange, schlanke Tentakel, die sich – anders als bei vielen anderen Seeanemonen – nicht vollständig in den Körper zurückziehen lassen. Dieses Merkmal ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium zu verwandten Arten wie der Pferdeaktinie (Actinia equina).

Die Grundfärbung variiert erheblich. Die Tentakel erscheinen meist grünlich, bräunlich oder gelblich, häufig mit violetten oder rosafarbenen Spitzen. Die grüne Färbung entsteht durch symbiotische Algen (Zooxanthellen), die im Gewebe der Tentakel eingelagert sind. Exemplare aus tieferen, lichtärmeren Bereichen sind häufig blasser oder grau-bräunlich gefärbt, da die Algendichte dort geringer ausfällt. Die Körpersäule selbst ist meist unauffällig bräunlich oder olivfarben. Die Oberfläche des Körpers ist glatt und leicht glänzend – ein Merkmal, das der Art vermutlich ihren deutschen Trivialnamen einbrachte, da die Textur an Wachs erinnert.

Die Tentakel sind dicht mit Nesselzellen (Cnidozyten) besetzt. Deren Nesselkapseln (Nematocysten) dienen sowohl dem Beutefang als auch der Verteidigung. Das Nesselgift der Wachsrose kann beim Menschen ein leichtes Brennen und Hautreizungen verursachen, ist aber in der Regel ungefährlich.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wachsrose erstreckt sich über den gesamten Mittelmeerraum sowie entlang der nordostatlantischen Küsten von Nordafrika bis zu den Britischen Inseln. Vereinzelte Nachweise existieren auch aus dem westlichen Ärmelkanal und von der südnorwegischen Küste. Im Mittelmeer zählt sie zu den häufigsten Seeanemonenarten.

Ihr bevorzugtes Habitat sind felsige Hartsubstrate in der Gezeitenzone und im oberen Sublitoral, also in Tiefen von der Niedrigwasserlinie bis etwa 20 Meter. Sie besiedelt aber auch Hafenmauern, Muschelschalen, Seegraswiesen (Posidonia oceanica) und gelegentlich Kiesgrund. In gut durchlichteten Flachwasserbereichen erreicht sie die höchsten Populationsdichten, da die eingelagerten Zooxanthellen dort ausreichend Photosynthese betreiben können. Die Art toleriert moderate Schwankungen von Temperatur und Salinität, meidet jedoch stark verschmutzte oder sedimentreiche Gewässerabschnitte.

Ernährung

Die Wachsrose ernährt sich auf zwei Wegen. Zum einen betreibt sie aktiven Beutefang als Prädator: Ihre Tentakel fangen kleine Krebstiere, Planktonorganismen, Fischlarven und andere Wirbellose, die durch Nesselzellen gelähmt und zur Mundöffnung transportiert werden. Zum anderen deckt sie einen erheblichen Teil ihres Energiebedarfs über die Photosyntheseleistung ihrer symbiotischen Zooxanthellen. Diese einzelligen Algen der Gattung Symbiodinium geben organische Verbindungen wie Glukose und Glycerol an ihren Wirt ab. In lichtreichen Habitaten können die Zooxanthellen bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs der Anemone abdecken. Diese mixotrophe Ernährungsweise – die Kombination aus heterotropher Nahrungsaufnahme und autotropher Symbiose – verschafft der Wachsrose einen ökologischen Vorteil gegenüber rein räuberischen Arten.

Verhalten & Lebensweise

Die Wachsrose ist ein sessiles Tier, das überwiegend ortsfest lebt. Dennoch ist sie in der Lage, sich langsam über das Substrat zu bewegen, indem sie ihre Fußscheibe gleitend verlagert – etwa um günstigere Lichtbedingungen zu erreichen oder Konkurrenten auszuweichen. Aktiv ist sie sowohl bei Tag als auch bei Nacht, wobei die Tentakel bei Tageslicht maximal ausgebreitet werden, um die Lichtausbeute für die Zooxanthellen zu optimieren.

Gegenüber artfremden Seeanemonen und Konkurrenten im Nahbereich zeigt die Wachsrose aggressive Verhaltensweisen. Durch spezialisierte Kampftentakel (Akrorhagen), die stark nesselnd wirken, kann sie benachbarte Individuen anderer Arten schädigen und so ihren Standort verteidigen. Innerhalb der eigenen Art kommt es seltener zu solchen Auseinandersetzungen, insbesondere wenn die Individuen genetisch verwandt sind.

Verschiedene Tierarten leben in enger Assoziation mit der Wachsrose. Die Anemonengarnele (Periclimenes sagittifer) und die Spinnenkrabbe (Inachus phalangium) halten sich häufig zwischen den Tentakeln auf, wo sie Schutz vor Fressfeinden finden, ohne selbst von den Nesselzellen geschädigt zu werden.

Fortpflanzung & Aufzucht