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Wasserspinne

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Tierart – Spinnentiere > Webspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Argyroneta aquatica
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Gebirgstrichterspinnen (Dictynidae), früher Cybaeidae
  • Gattung: Argyroneta
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer
  • Größe: Weibchen 8–15 mm, Männchen 10–18 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 0,5–1,5 g
  • Lebenserwartung: etwa 2 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Wasserspinne ist die einzige Spinnenart weltweit, die nahezu ihr gesamtes Leben unter Wasser verbringt. Ihr Körperbau entspricht dem typischen Grundplan der Webspinnen mit Prosoma (Vorderkörper) und Opisthosoma (Hinterkörper), acht Laufbeinen und Spinnwarzen. Das Prosoma ist dunkelbraun gefärbt, während das Opisthosoma eine samtgraue bis olivbraune Färbung aufweist. Die Körperoberfläche des Hinterleibs ist dicht mit feinen, wasserabweisenden Härchen – sogenannten Setae – bedeckt. Diese hydrophobe Behaarung ist entscheidend für die Lebensweise der Art, denn sie ermöglicht es der Spinne, eine dünne Luftschicht um den Körper zu halten, die unter Wasser silbrig glänzt. Dieser Silberglanz gab der Gattung ihren Namen: Argyroneta, abgeleitet vom griechischen „argyros" (Silber) und „neta" (Spinnerin).

Eine taxonomische Besonderheit bei dieser Art ist der umgekehrte Geschlechtsdimorphismus: Die Männchen sind deutlich größer als die Weibchen. Dieses Phänomen ist bei Spinnen selten und wird damit erklärt, dass größere Männchen unter Wasser schneller und ausdauernder schwimmen und so bei der aktiven Partnersuche Vorteile haben.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wasserspinne erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Zentralasien und Japan. In Deutschland kommt sie zerstreut in geeigneten Habitaten vor, ist aber vielerorts selten geworden.

Als Biotop bevorzugt Argyroneta aquatica stehende oder sehr langsam fließende Gewässer mit dichter Unterwasservegetation. Typische Lebensräume sind Weiher, Teiche, Altarme von Flüssen, Moorgewässer und vegetationsreiche Gräben. Die Spinne ist auf Wasserpflanzen wie Hornblatt, Tausendblatt oder Wasserpest angewiesen, die als Verankerung für ihre Taucherglocke dienen. Klares, sauerstoffreiches Wasser mit geringer Strömung bietet die besten Bedingungen. Stark eutrophierte oder verschmutzte Gewässer werden gemieden.

Ernährung

Die Wasserspinne ernährt sich räuberisch von kleinen Wasserorganismen. Zu ihrem Beutespektrum zählen Wasserflöhe (Daphnien), Zuckmückenlarven, kleine Libellenlarven, Bachflohkrebse und andere aquatische Wirbellose. Gelegentlich werden auch kleine Kaulquappen oder Jungfische erbeutet. Die Spinne lauert in oder nahe ihrer Taucherglocke auf Beute, die sie durch Vibrationen im Wasser wahrnimmt. Die Fangbeine sind mit feinen Sinneshaaren (Trichobothrien) besetzt, die selbst kleinste Wasserbewegungen registrieren. Gefangene Beute wird mit einem Giftbiss überwältigt und in die Luftglocke getragen, wo die eigentliche Nahrungsaufnahme – wie bei Spinnen üblich – extraintestinal durch Vorverdauung stattfindet.

Verhalten & Lebensweise

Das zentrale Element der Lebensweise ist die Taucherglocke – ein kunstvolles Gespinst, das die Spinne zwischen Wasserpflanzen anlegt und mit Luft füllt. Zum Luftholen steigt die Spinne an die Wasseroberfläche, nimmt mithilfe der hydrophoben Behaarung am Hinterleib eine Luftblase auf und transportiert sie nach unten in das Gespinst. Durch wiederholtes Nachfüllen entsteht eine stabile Luftglocke von mehreren Millilitern Volumen, die als Wohn-, Fress- und Atemraum dient.

Physikalisch funktioniert die Glocke nach dem Prinzip einer physikalischen Kieme: Gelöster Sauerstoff diffundiert aus dem umgebenden Wasser in die Luftblase hinein, während Kohlendioxid nach außen abgegeben wird. Dieser Gasaustausch ermöglicht es der Spinne, die Glocke deutlich seltener aufzufüllen, als es der reine Sauerstoffverbrauch erfordern würde. Studien haben gezeigt, dass eine einzige Nachfüllung unter günstigen Bedingungen für mehr als einen Tag ausreichen kann.

Wasserspinnen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie häufig in ihrer Luftglocke. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist vor allem bei Weibchen zu beobachten, die ihre Glocke und deren Umgebung gegen Artgenossen verteidigen. Männchen sind mobiler und durchstreifen auf der Suche nach Partnerinnen größere Bereiche.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Monate Mai bis Juli. Das Männchen begibt sich auf die Suche nach einer weiblichen Taucherglocke. Der Balz geht ein vorsichtiges Annähern voraus – das Männchen zupft an den Fäden des Gespinstes, um seine Anwesenheit zu signalisieren und Aggressionen des Weibchens zu reduzieren. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen einen Eikokon mit 30 bis 100 Eiern im oberen Bereich der Taucherglocke ab. Die Eier werden innerhalb der Luftglocke bewacht. Die Jungspinnen schlüpfen nach zwei bis drei Wochen und verbleiben zunächst in der mütterlichen Glocke, bevor sie sich nach der ersten Häutung eigenständig im Gewässer verteilen. Im Herbst suchen junge und adulte Tiere geeignete Überwinterungsquartiere auf – häufig in leeren Schneckengehäusen oder in verdichteten Luftglocken nahe dem Gewässergrund.

Bedroh