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Wespenspinne

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Tierart – Spinnentiere > Webspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Argiope bruennichi
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Echte Radnetzspinnen (Araneidae)
  • Gattung: Argiope
  • Lebensraum: Offene, sonnige Habitate wie Trockenwiesen, Wegränder, Brachflächen
  • Größe: Weibchen 15–25 mm Körperlänge (mit Beinen bis 50 mm), Männchen 4–6 mm
  • Gewicht: Weibchen ca. 1–1,5 g, Männchen deutlich unter 0,5 g
  • Lebenserwartung: Weibchen etwa 1 Jahr, Männchen wenige Monate

Aussehen & Merkmale

Die Wespenspinne verdankt ihren deutschen Trivialnamen der auffälligen schwarz-gelben Zeichnung auf dem Hinterleib (Opisthosoma) der Weibchen. Diese Warnfärbung erinnert an das Muster von Wespen und dient vermutlich als Mimikry gegenüber Fressfeinden, insbesondere Vögeln. Der Vorderkörper (Prosoma) ist silbrig-weiß behaart, die acht Beine tragen abwechselnd helle und dunkle Ringmuster.

Der Geschlechtsdimorphismus ist bei dieser Art extrem ausgeprägt. Während die Weibchen zu den größeren mitteleuropäischen Spinnenarten zählen, sind die Männchen nur etwa ein Viertel so groß und unscheinbar bräunlich gefärbt. Wie alle Spinnen besitzt die Wespenspinne acht Beine, Cheliceren (Kieferklauen) mit Giftdrüsen sowie Spinnwarzen am Hinterleibsende. Auffällig sind die großen Spinnwarzen der Weibchen, die zur Produktion besonders stabiler Seidenfäden dienen.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Wespenspinne erstreckt sich über den Mittelmeerraum, Teile Afrikas und Asiens bis nach Japan. In Mitteleuropa war die Art bis Mitte des 20. Jahrhunderts selten und kam nördlich der Alpen kaum vor. Seit den 1930er-Jahren breitet sich Argiope bruennichi jedoch stetig nordwärts aus. Heute besiedelt sie weite Teile Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. In Norddeutschland und Südskandinavien ist sie inzwischen regelmäßig anzutreffen.

Diese Arealexpansion wird mit der klimatischen Erwärmung in Zusammenhang gebracht. Die Wespenspinne bevorzugt als Biotop offene, sonnenexponierte Flächen mit niedriger bis halbhoher Vegetation. Typische Habitate sind extensiv genutzte Wiesen, Ruderalflächen, Bahndämme, Straßenböschungen und lichte Waldränder. Feuchtwiesen und Moorränder werden ebenfalls besiedelt, sofern genügend Sonnenexposition gegeben ist. Dichte Wälder und stark beschattete Standorte meidet die Art.

Ernährung

Die Wespenspinne ist eine klassische Lauerjägerin, die ihre Beute mithilfe eines großen Radnetzes fängt. Das Netz wird bodennah in der Vegetation aufgespannt, typischerweise in einer Höhe von 10 bis 50 Zentimetern. Es erreicht einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern und weist ein charakteristisches Zickzackband (Stabilimentum) auf, das senkrecht durch die Netzmitte verläuft. Die genaue Funktion dieses Stabiliments ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt – diskutiert werden unter anderem die Stabilisierung des Netzes, eine Tarnfunktion sowie die Anlockung von Insekten durch UV-Reflexion.

Die Nahrung besteht überwiegend aus Heuschrecken, Grashüpfern, Fliegen, Bienen und anderen flugfähigen Insekten, die in das Netz geraten. Die Beute wird nach dem Fang sofort mit Spinnseide eingewickelt und durch einen Giftbiss getötet. Die Verdauung erfolgt extraintestinal: Die Spinne injiziert Verdauungsenzyme in das Beutetier und saugt die verflüssigte Nahrung anschließend auf.

Verhalten & Lebensweise

Die Wespenspinne ist vorwiegend tagaktiv und sitzt in der Regel kopfüber in der Mitte ihres Radnetzes, wo sie auf Beute wartet. Bei Störung reagiert sie mit einem heftigen Schütteln des Netzes (sogenanntes Netzwippen), um potenzielle Angreifer zu irritieren. Alternativ lässt sie sich zu Boden fallen und stellt sich tot.

Die adulten Weibchen sind von Juli bis Oktober zu beobachten. Anders als viele Spinnenarten zeigt Argiope bruennichi kein ausgeprägtes Territorialverhalten; mehrere Weibchen können in enger Nachbarschaft Netze bauen, sofern das Nahrungsangebot ausreicht. Die Art ist solitär lebend und bildet keine sozialen Verbände.

Für den Menschen ist die Wespenspinne ungefährlich. Zwar kann sie bei Bedrängnis zubeißen, doch die Cheliceren durchdringen menschliche Haut nur selten. Ein Biss verursacht allenfalls leichte Schmerzen vergleichbar mit einem Mückenstich.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Sommermonate Juli und August. Das Männchen nähert sich dem Weibchen vorsichtig im Netz und beginnt mit einer spezifischen Balz, bei der es rhythmisch an bestimmten Fäden zupft, um sich als Paarungspartner und nicht als Beute zu identifizieren. Die Kopulation dauert nur wenige Sekunden. Häufig wird das Männchen unmittelbar nach oder bereits während der Paarung vom Weibchen getötet und gefressen – ein Phänomen, das als sexueller Kannibalismus bezeichnet wird und bei zahlreichen Radnetzspinnen vorkommt.

Das Weibchen legt im Spätsommer ein bis drei Eikokons an, die an Pflanzenstängeln befestigt werden. Jeder Kokon enthält mehrere hundert Eier und besitzt eine papierartige, bräunliche Hülle. Die Jungspinnen schlüpfen noch im Herbst, überwintern jedoch im Kokon und verlassen diesen erst im folgenden Frühjahr. Nach dem Schlupf verbreiten sich die winzigen Jungspinnen durch sogenanntes Ballooning: Sie lassen sich an einem Seidenfaden