T Tierlexikon.net
← Lexikon

Zierschildkröte

Z

Tierart – Reptilien > Schildkröten – Wasser

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Chrysemys picta
  • Ordnung: Schildkröten (Testudines)
  • Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
  • Gattung: Chrysemys
  • Lebensraum: Süßgewässer Nordamerikas – stehende und langsam fließende Gewässer
  • Größe: Carapaxlänge 10–25 cm, je nach Unterart
  • Gewicht: 200–600 g
  • Lebenserwartung: 20–40 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Zierschildkröte verdankt ihren deutschen Namen der auffälligen Zeichnung, die sie von den meisten anderen nordamerikanischen Sumpfschildkröten unterscheidet. Der Rückenpanzer (Carapax) ist glatt, flach und oval geformt. Seine Grundfarbe reicht von dunkeloliv bis schwarz. Je nach Unterart ziehen sich rote, orange oder gelbe Linien über die Hornschilde (Scuta) des Carapax. Der Bauchpanzer (Plastron) ist bei den meisten Unterarten gelb gefärbt und kann eine zentrale dunkle Zeichnung aufweisen, die bei der Westlichen Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii) besonders ausgeprägt ist.

Kopf, Hals und Gliedmaßen tragen auf dunklem Grund leuchtend gelbe und rote Streifen. Hinter dem Auge befindet sich häufig ein markanter gelber Fleck. Die Haut ist mit kleinen Schuppen bedeckt, die Schwimmhäute zwischen den Zehen sind gut entwickelt. Weibchen werden im Durchschnitt deutlich größer als Männchen. Männchen lassen sich zudem an ihren verlängerten Krallen an den Vorderbeinen und dem längeren, dickeren Schwanz erkennen.

Es werden vier Unterarten unterschieden: die Östliche Zierschildkröte (C. p. picta), die Mittelland-Zierschildkröte (C. p. marginata), die Südliche Zierschildkröte (C. p. dorsalis) und die Westliche Zierschildkröte (C. p. bellii). Letztere erreicht die größte Körperlänge und ist die am weitesten westlich verbreitete Unterart.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Zierschildkröte erstreckt sich über weite Teile Nordamerikas – von Südkanada über die gesamten Vereinigten Staaten bis in den Norden Mexikos. Damit ist sie die am weitesten verbreitete Süßwasserschildkröte des Kontinents. Ihr Habitat umfasst flache, stehende oder langsam fließende Gewässer mit weichem Untergrund und dichter Unterwasservegetation: Teiche, Seen, Altarme, Sümpfe, Marschland und ruhige Flussabschnitte.

Entscheidend für die Wahl des Biotops ist das Vorhandensein geeigneter Sonnenplätze. Umgestürzte Baumstämme, Steine oder Schilfmatten, die aus dem Wasser ragen, werden bevorzugt aufgesucht. Ebenso wichtig sind sandige oder lehmige Uferabschnitte in Gewässernähe, die als Eiablageplätze dienen. In Europa kommt die Zierschildkröte als Neozoon vor, vor allem dort, wo ehemalige Heimtiere ausgesetzt wurden. Stabile Populationen sind in Europa jedoch selten dokumentiert.

Ernährung

Zierschildkröten sind Allesfresser (Omnivoren) mit einem altersabhängigen Nahrungsspektrum. Jungtiere ernähren sich überwiegend carnivor und fressen Wasserinsekten, Insektenlarven, kleine Krebstiere, Schnecken, Kaulquappen und gelegentlich Aas. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich der Anteil pflanzlicher Nahrung deutlich. Adulte Tiere nehmen in erheblichem Umfang Wasserpflanzen, Algen und Entengrütze (Lemnaceae) zu sich, ergänzt durch tierische Kost.

Die Nahrungsaufnahme findet fast ausschließlich im Wasser statt. Die Schildkröten suchen den Gewässergrund ab oder schnappen nach Beute nahe der Wasseroberfläche. Da sie keine Zähne besitzen, zerkleinern sie Nahrung mithilfe der scharfen Hornkanten ihres Kiefers (Rhamphotheca).

Verhalten & Lebensweise

Zierschildkröten sind tagaktive Tiere. Ein Großteil des Tages wird mit Sonnenbaden (Basking) verbracht. Dieses Verhalten dient der Thermoregulation, da Schildkröten als ektotherme Tiere auf externe Wärme angewiesen sind. Häufig sitzen mehrere Individuen dicht nebeneinander auf Sonnenplätzen – die Tiere sind dabei gesellig, verteidigen jedoch kein festes Revier. Bei Störungen lassen sie sich rasch ins Wasser gleiten.

In den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebiets halten Zierschildkröten eine Winterruhe, die mehrere Monate andauern kann. Sie graben sich dazu in den Schlamm am Gewässergrund ein und reduzieren ihren Stoffwechsel drastisch. Die Sauerstoffaufnahme erfolgt in dieser Phase teilweise über die Haut und die gut durchblutete Kloakenschleimhaut – eine Anpassung, die es ihnen ermöglicht, auch unter einer geschlossenen Eisdecke zu überleben.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, kurz nach dem Ende der Winterruhe. Die Balz der Männchen ist charakteristisch: Sie schwimmen rückwärts vor dem Weibchen her und streicheln mit ihren verlängerten Vorderkrallen dessen Kopf und Halsseiten. Zeigt sich das Weibchen paarungsbereit, sinken beide Tiere zum Gewässergrund, wo die Kopulation stattfindet.

Die Eiablage erfolgt zwischen Mai und Juli. Das Weibchen verlässt das Wasser und sucht – oft in der Abenddämmerung – einen geeigneten Nistplatz an Land. Mit den Hinterbeinen gräbt es eine flaschenförmige Grube in sandigen oder lehmigen Boden und legt dort 2 bis 20 Eier ab, je nach Unterart und Körpergröße. Anschließend wird das Gelege sorgfältig mit